Size Matters

Auf diesem Bild kann man sehr klar die Faschisten (kleine Kameras) und die Terroristen (große Kameras) ausmachen.

Auf diesem Bild kann man sehr klar die Faschisten (kleine Kameras) und die Terroristen (große Kameras) ausmachen.

Ich bin jetzt genau drei Mal in diesem Jahr wegen meiner Kamera mit der Polizei zusammen geraten.

Das erste Mal weil ich sie einfach nur gezückt hatte, vor der amerikanischen Botschaft in Frankfurt nämlich. Das Ganze ging dann so ab: zuerst kamen die Securitas Rent-a-Cops und versuchten mir zu erklären daß man von der Botschaft keine Bilder machen darf. Daß das im krassen Widerspruch zu geltendem Recht in der Bundesrepublik steht wurde dann mit “aber das ist Amerika da drüben” abgewiesen. Darauf folgte eine kurze Erklärung der Rechtslage in Amerika, chapter and verse, meinerseits. Dies führte zum Ruf der Polizei die sich, nach einigen Minuten in denen ein recht netter Oberkommisar versuchte mich davon zu überzeugen daß Löschung doch eine schnelle und einfache Lösung des Konfliktes wäre, mit “da können wir nix machen, Leute, der hat das Recht von hier aus zu fotografieren” wieder abzog.

Das zweite Mal war meine Kamera zu groß. Ich hatte die Canon 5D Mark III dabei und eine EF 70-200mm, genug um schöne Bilder des neuen EZB Gebäudes zu machen. Wieder einmal kommt erst der Rent-A-Cop der mich mit Körpersprache und -gewicht versucht einzuschüchtern oder, was ihm und seinen sechs oder sieben Kollegen wohl am liebsten gewesen wäre, zum Zuschlagen auffordert. Stattdessen knippse ich weiter, erkläre ihm daß ich das Recht habe zu fotografieren. Die Polizei ist hier binnen Minuten da, eine weniger nette Kommisarin fordert mich auf ihr die Kamera zu übergeben. Ich weigere mich natürlich, erkläre das Prinzip der Pressefreiheit, zeige meinen Presseausweis, und bekomme eine Lektüre über die Größe meiner Kamera die, anscheinend, zu groß ist um von nicht-Terroristen verwendet zu werden.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas dritte Mal war sie dann zu klein, die Kamera. Bilder einer (friedlichen) Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit, für Menschenrechte, Immigration, und Asyl nahe des alten EZB Gebäudes. Warum Demonstranten im Allgemeinen darauf bestehen den Verkehr auf Berliner und Friedberger von EZB bis Konstablerwache lahmzulegen ist mir eigentlich ein Rätsel. Aufmerksamkeit bekommt man da schon wenn das Rote Kreuz mit dem Krankenwagen nicht durchkommt, aber positive Resonanz? Nicht so sehr wenn man Demonstration Nummer 26 in den letzten 14 Wochen ist.

Diesmal nimmt ein mit Guy Fawkes Maske vermummter Mann Anstoß. Seine Freundin ist auch da, schreit irgendwas über Faschisten von der Polizei oder so, und versucht mir die Kamera zu entreißen. Damned if you do, damned if you don’t – wenn ich mir das Ding wegnehmen lasse dann sind 1300 Euro weg (und die Dame hat eine nette Kamera), wenn ich mich wehre werde ich zum faschistoiden Prügelknaben des Schwarzen Blocks und der ca. 30 Demonstranten die sich mir langsam nähern. Glücklicherweise ist die Polizei auch da, die Dame wird mit einem strengen “ab in die Ecke” erstmal verwiesen (was sie natürlich nicht davon abhielt sich weiterhin über die “Jackboot Thugs” der Frankfurter Stadtpolizei auszulassen).

“Lass mal sehen,” sagt eine Stadtpolizistin. Klar, Gucken ist erlaubt, Anfassen nicht. “Die ist aber sehr klein,” sagt sie. “Ja,” sage ich, “da ist man flexibler.”

So eine kleine Kamera, wird mir dann erklärt, ist aber nicht als “Journalistenkamera” erkennbar. Die hätten doch alle diese fetten Dinger mit weißem Objektiv. “Letzte Woche hat mir Einer von Euch erklärt daß nur Terroristen so große Kameras haben,” antworte ich, was bei der Polizistin ein gequältes Lächeln hervor ruft. “Ja, schon…” sagt sie, verweißt mich dann, trotz meines Presseausweises und Hinweis of meine grundgesetzliche Verpflichtung zur Dokumentation zeitgeschichtlich relevanter Aktivität in der finanziellen Welthauptstadt (Werbetext, mag oder mag auch nicht der Realität entsprechen) des Platzes. Zu meinem eigenen Schutz sagt sie. “Seid ihr nicht dafür verantwortlich?” frage ich. “Nicht heute,” sagt sie, und dann bin ich weg weil mir Handschellen ganz schlecht stehen.